Bioplan - Forschung, Planung, Beratung, Umsetzung

Wildvögel und Vogelgrippe

Projektziele

Erkennen und Aufzeigen möglicher Kontaktwege und Wege der Verbreitung der Erreger der Vogelgrippe innerhalb der einzelnen Vogelarten und über zwischenartliche Kontakte auf die Bestände weiterer freilebender Vogelarten in Baden-Württemberg.
Ermitteln von Kontaktmöglichkeiten der freilebenden Vogelarten mit Hausgeflügelbeständen bzw. mit Vogelhaltungen von Zoos und Tierparks als äußerst wichtige, wenn nicht entscheidende Kontaktzone zwischen Vögeln in Gefangenschaft, Wildvögeln und nicht zuletzt auch dem Menschen.
Untersuchen von direkten Kontaktmöglichkeiten der freilebenden Vogelarten mit dem Menschen vor dem Hintergrund der Infektionsgefahr mit Erregern der Aviären Influenza (AI).

Methodik
Als Grundlage zur Beantwortung dieser Zielvorgaben wurden Informationen zu sämtlichen 427 wildlebenden Vogelarten Baden-Württembergs im Zeitraum der vergangenen 25 Jahre beschrieben.
Ferner wurden nach einem einheitlichen Schema weitere Informationen zusammengestellt, u.a.:

  • Klärung der inner- und zwischenartlichen Kontaktwege und –möglichkeiten
  • Zugangsmöglichkeiten und Nutzung von Zoos, offenen Vogelgehegen und Geflügelhaltungen
  • Ernährungsverhalten und die Nahrung einzelner Vogelarten

 

Ergebnisse

Kontakte zum Menschen
162 Arten (38%), darunter 44 Indikatorarten
Fütterungsstellen

  • in Siedlungsbereichen: 64 Arten (15%), 10 Indikatorarten
  • in der freien Landschaft: 31 Arten (7%), 8 Indikatorarten
  • an Gewässern: 12 Arten (3%), 12 Indikatorarten

Zoos und Tierparks
81 Arten (19%), 31 Indikatorarten
Geflügelhaltungen
67 Arten (16%), 22 Indikatorarten
Gewässer im Siedlungsbereich
81 Arten (19%), 16 Indikatorarten
Jagd
123 Arten (29%), 45 Indikatorarten
Ernährung
Aas
76 Arten (18%), 20 Indikatorarten
Vogelbeute
94 Arten (22%), 19 Indikatorarten
weitere Faktoren
Bestand
Verbreitung
Auftreten
Herkunft
Zugverhalten
Truppbildung
inner- und zwischenartliche Kontakte

Zugvogeltyp
Langstreckenzieher, in Baden-Württemberg überwiegend Transsaharazieher, haben einen deutlichen geringeren Anteil an Indikator- und Brückenarten als Kurzstrecken- und Teilzieher sowie Standvögel.

Brückenarten
Vogelarten mit Kontakt zu Geflügelhaltung
In Baden-Württemberg sind 113 Brückenarten (26%) nachgewiesen: 72 Nicht-Singvogel-Arten und 41 Singvogel-Arten.

Brücken- und Indikatorarten
Brückenarten mit Nachweis von H5N1-Erregern
In Baden-Württemberg sind 36 Vogelarten (8%) als Brückenarten eingestuft und gleichzeitig als Indikatorarten nachgewiesen: 29 Nicht-Singvogel-Arten und 7 Singvogel-Arten.

Indikatorarten
Vogelarten mit Nachweis von H5N1-Erregern
In Baden-Württemberg sind 67 Indikatorarten (16%) nachgewiesen: 58 Nicht-Singvogel-Arten und 9 Singvogel-Arten. 38 dieser Indikatorarten umfassen Wasservögel im weitesten Sinne.

Konsequenzen und Empfehlungen für die Praxis
Bei einem neuerlichen und gehäuftem Auftreten des AI-Erregers wird empfohlen: Keine Fütterungen von Vögeln an Gewässern und in der freien Landschaft. Fütterungsstellen im Siedlungsbereich sollten „katzensicher“ gemacht werden, so dass die Hauskatze, die als Indikatorart nachgewiesen ist, dort keine Vögel erbeuten kann.
Kontrollen von Vogelhaltungen vor allem auf Hygienebedingungen und Zugangsmöglichkeiten für wildlebende Vogelarten, insbesondere von Wasservögeln. Stopp von Aussetzungen und Ansiedeln von Vögeln. Einführung eines Herkunftsnachweises der auszusetzenden jagdbaren Arten, da von Gefangenschaftsflüchtlingen und vom Aussetzen von Vögeln eine Übertragungs- und Infektionswahrscheinlichkeit für die AI ausgehen kann. Überprüfung und Revision der jagdbaren und bejagten Vogelarten, darunter viele Indikatorarten, unter dem Gesichtspunkt der AI. Durch die Bejagung von Vogelarten kann ein Übertragungs- und Infektionsrisiko für den Menschen bestehen.

PDF Abschlussveranstaltung