Alpensegler

Eine neue Brutvogelart im Stadtgebiet von Bühl

So wie sie Anfang April gekommen sind, haben sie Bühl in Richtung ihrer Winterquartiere südlich der Sahara wieder verlassen – weitgehend unbemerkt. Seit 2010 hat der Alpensegler still und heimlich die Große Kreisstadt besiedelt. Nach einem Brutverdacht im Jahr 2010 konnten im Jahr 2013 erstmals an zwei Gebäuden Brutnachweise erbracht werden, an einem weiteren ist es sehr wahrscheinlich, dass Alpensegler gebrütet haben.

Viele kennen den Mauersegler, der in Bühl an verschiedenen Stellen erfreulicherweise noch zahlreich anzutreffen ist, durch seine auffälligen Flüge und lauten Rufe in den Frühsommermonaten. Der Alpensegler ist ein größerer Verwandter des Mauerseglers. Europas größte Seglerart brütete bis Anfang der 1990er Jahre nur in Freiburg als einzigem Brutplatz in Deutschland. Seither findet eine Zunahme und Ausbreitung statt. Mittlerweile sind in Baden-Württemberg und Bayern mindestens neun Städte besiedelt, u.a. Bühl.

Bühl gehört damit nicht nur zum illustren Kreis der wenigen Städte Deutschland, in denen diese Art brütet, sondern sie beherbergte 2010 den nördlichsten Brutplatz der Welt. Dieser Rang wurde ihr mittlerweile durch die Landeshauptstadt Stuttgart entrissen.

Martin Boschert beobachtet zusammen mit Manfred Weber, Vorstandsmitglied des NABU Offenburg und dort für den praktischen Artenschutz, u.a. für den Alpensegler, zuständig, schon seit 2010 die Entwicklung und haben in diesem Jahr verstärkt ihre Aufmerksamkeit dieser Art gewidmet.

Wohnungsnot auch in Bühl?

So erfreut sie über die Entwicklung sind, so sehr befürchten sie jedoch, dass dem Alpensegler die dauerhafte Besiedlung Bühls nicht gelingt, denn es fehlt an geeigneten Brutplätzen. Dabei wäre dieser Art einfach zu helfen, u.a. durch Nisthilfen oder einfachen Maßnahmen bei Hausrenovierungen, wie dies in Bühl für den Mauersegler bereits mehrfach erfolgreich durchgeführt wurde. Die beiden Fachleute haben diesbezüglich auch schon mehrere geeignete Gebäude im Blick.

Weltrekord im Dauerfliegen

Ist der Flug nach Afrika bereits eine immense Leistung, so sind die Ergebnisse, die jetzt Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach erzielt haben, eine wissenschaftliche Sensation: Erstmals wurde nachgewiesen, dass der Alpensegler mehr als sechs Monate ununterbrochen in der Luft bleiben kann. Die Forscher haben diesen großen Segler mit Geolokatoren ausgestattet. Diese rund ein Gramm leichten technischen Meisterwerke messen und speichern während eines Jahres, wie hell es in der Umgebung des Vogels ist. Daraus lassen sich die Tageslänge und damit auch die geografische Position des Vogels berechnen. Darüber hinaus waren die Geräte für diese Untersuchung mit einem Aktivitätssensor ausgestattet, der festhält, ob der Vogel mit den Flügeln schlägt oder nicht.

Mit dem Geolokator auf dem Rücken flogen die Alpensegler in ihre Winterquartiere im westlichen Afrika, verbrachten dort die kalte Jahreszeit und kehrten im Frühling wieder zurück, wo die Fachleute ihnen die Sensoren wieder abnahmen und auswerteten. Ergebnis: Weltrekord im Dauerflug: 200 Tage Nonstop. Die Resultate weisen darauf hin, dass Alpensegler alle lebenswichtigen Körperfunktionen auch im Dauerflug aufrechterhalten können. Sie benötigen keinen Schlaf, wie wir Menschen ihn kennen (http://www.vogelwarte.ch/weltrekord-im-dauerfliegen.html).

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